Annes Kolumne
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Geschichten aus dem Tempelberger Leben

“Daisy“: Die Katastrophe hat einen Namen

von Anne Riemer

Es ist Samstag, der 9. Januar 2010. “Schneit es bei euch auch so doll?” “Nein, wir haben angenehme 25 Grad und Sonnenschein, natürlich schneit es bei uns auch”, ist meine Antwort auf die Frage eines Kollegen aus Thüringen. Wenn für ganz Deutschland sogar schon der Katastrophenschutz Ratschläge für das zu erwartende Unwetter gibt, dann wird wohl Tempelberg nicht verschont bleiben. Und richtig. Ein Blick aus dem Fenster verrät mir an diesem Nachmittag, dass diese Windböe, die von den Meteorologen liebevoll auf den Namen Daisy getauft wurde, bereits da war. Daisy, möglicherweise eine gute Freundin von Emma und Kyrill, wütet über Europa, zieht vom Mittelmeer in Richtung Osten und scheint dabei jede Menge Chaos anzurichten.

Meine Omi sieht das Wetter eher locker, denn schließlich hat sie schon einige Winter hinter sich, die über Daisy wohl nur gelacht hätten. Ja, damals bekam man auch nicht diese überaus präzisen, Angst einflößenden Wetterberichte, die den Weltuntergang beinahe vorhersagen. Mir scheint es manchmal so, dass die Mitarbeiter des Wetterdienstes nur darauf warten, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Panik, Panik, Panik. Man soll sich fühlen wie in einem amerikanischen Katastrophenfilm. “Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt Lebensmittel zu horten”, lese ich im Internet. Verzögerungen bei der Bahn und im Flugverkehr werden vorausgesagt. Nun, die Bahn wird dankbar sein, dass sie anstatt der Standartansage “Verspätung aufgrund von Verzögerungen im Betriebsablauf” nun  Daisy vorschieben kann. Auch der Einzelhandel wird profitieren, weil nach Weihnachten sicher der ein oder andere Bundesbürger vor hatte, mit der Nahrungsaufnahme etwas kürzer zu treten. Doch nun warnt der Katastrophenschutz und rät zu Hamsterkäufen. Da muss man doch zuschlagen. Das Geschäft wird boomen und die Leute haben Salz-, Kerzen- und Mehlvorräte bis zum nächsten Schneesturm 2013.

Für Nachrichtenmagazine gibt es in der nachweihnachtlichen saure-Gurken-Berichterstattungszeit nicht viel zu tun, weil sich die Politiker noch im Neujahrsurlaub befinden und Terroristen wahrscheinlich auch. Aber zum Glück kommt ja Daisy und rettet die Titelseite der Bildzeitung. Rosamunde Pilcher und Soko Leipzig müssen zur Primetime Platz für panische Sondersendungen  machen. Aber trotzdem sind unsere Straßen zu und die Essensvorräte befreien uns nicht von den Schneemassen und den eigentlichen Problemen im Straßenverkehr. Mit einem gut organisierten Winterdienst wäre uns wirklich mehr geholfen, als mit theoretischen Horrorszenarien aus dem Fernsehen.

Ohne Vorhersagen muss es sich damals also richtig ruhig gelebt haben, fällt mir ein, wenn ich an die Gelassenheit meiner Omi denke.

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